Nach “30 Jahren Aids” wollen wir mit dem künstlerischen Wettbewerb “Aids Kunst Grab”, für dessen Planung und Durchführung wir uns als AG herausgebildet haben, eine gestalterische Antwort auf die Herausforderung, einen zeitgenössischen Zugang zum Gedenken und Trauern im Bereich HIV und Aids zu finden, befördern. Wir setzen auf eine Reflexion der bisherigen Denkmalpraxis und suchen Alternativentwürfe. So sind wir der Meinung, dass beispielsweise die „Aids-Schleife“ nicht unhinterfragt reproduziert werden sollte.

Wir sind davon überzeugt, dass es möglich und notwendig ist, eine zeitgemäße Denkmal- und Erinnerungssprache bzw. -form zum Leben und Sterben “mit” HIV zu entwickeln. Dabei hat eine Entwicklung einer passenden Symbolsprache aus unserer Sicht zu bedenken, dass jede identitäre Voraussetzung für ein umfassendes Gedenken an alle HIV- und Aids-Betroffene problematisch ist. Vielmehr geht es um die Ermöglichung einer „Patchwork-Erinnerung“ an die sehr unterschiedlichen Lebenswege mit HIV und Aids. Diese an sich schon anspruchsvolle Aufgabe soll in und auf einem sehr heterogenen Gestaltungsraum gelöst werden. Wir sind der Überzeugung, dass am Aids-Gemeinschaftsgrab auf dem Alten St.-Matthäus-Kirchhof ein Ort geschaffen werden kann, der Aids-Gedenken heute in seiner Vielschichtigkeit erfahrbar macht.

Der AG “Aids Kunst Grab” gehören an:

Eugen Januschke, Diplom-Mathematiker mit Promotion im Bereich Semiotik. Er ist im Vorstand des Vereins Denk mal positHIV e.V. und engagiert sich dort hauptsächlich für den Gestaltungswettbewerb. Deswegen hat er die AG Aids Kunst Grab initiiert. Einer seiner thematischen Schwerpunkte ist Trauerkultur. So war er Mitorganisator von >Trauer unterm Regenbogen. Kongress zu Trauerkultur und queeren Communities< im November 2012.

Karen Scheper absolvierte das Studium der Freien Bildenden Kunst an der Hochschule für Bildende Künste Bremen und im postgradualen Masterstudiengang “Kunst im Kontext” an der Universität der Künste Berlin. Langjährige Projekt- und Ausstellungstätigkeit als Bildende Künstlerin mit den Schwerpunkten Zeichnung und Installation. Organisatorin und Leiterin zahlreicher freier Projekte in der Kulturellen Bildung, z.B. 2013 Projektleitung “B für Beobachtung” – Ortsbezogene künstlerische Projekte zur ehemaligen ‘Kinderfachabteilung Wiesengrund’, Festivalleitung des 4. Oldenburger Zeichenfestivals ‘ausgezeichnet!’. Karen Scheper lebt in Berlin. www.karenscheper.de

Rainer Hoffmann lebt und arbeitet als freischaffender Kunsthistoriker in Berlin. Studium der Kunst- und Medienwissenschaften sowie der Spanischen Philologie in Trier und Madrid, Magisterarbeit zum Thema „Kunst am Hotel – eine Untersuchung zeitgenössischer Raumaneignungen am Beispiel des ehemaligen Kurhotels Balzer in Bad Ems“. Seit 2007 Kuratoren- bzw. Autorenschaft für verschiedene Kunstinstitutionen, u.a. das Museum Folkwang. Seit 2012 Lehrbeauftragter für Kunstgeschichte am Caspar David Friedrich Institut der Universität Greifswald. www.kunstgeschichtler.de